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Mit Dialyse über die Meere - Eine Kreuzfahrt über die Ostsee


Dialyse und Traumreisen - geht das zusammen? Nicht jedes beliebige exotische Ziel lässt sich problemlos mit der Behandlung an der künstlichen Niere kombinieren. Eine der schönsten Möglichkeiten ist die Dialyse auf einem Schiff.
Auf einem Kreuzfahrtriesen verbinden sich die gewohnte Qualität der Nierenwäsche mit dem Komfort eines Hotels und den Erlebnissen ferner Länder zu einem unvergesslichen Urlaubserlebnis. Ein Beispiel dafür ist die Reise auf der Arkona durch die Ostsee, deren Fazit vorweggenommen sei: Viel erlebt, wunderbar erholt und keinerlei Probleme mit der Dialyse. Letzteres ist für den Patienten sicher der wichtigste Punkt für einen „schönen Urlaub““.
Einer, dem dieses besonders am Herzen liegt, ist Dr. Peter Rittich, Allgemeinmediziner aus Hamburg und „Erfinder“ der Schiffsdialyse. Nach seiner Ausbildung, so erzählte er, fuhr er auf der Europa durch die Weltmeere. Wieder zuhause erlebte er am Fernseher zufällig eine Diskussion um die Urlaubsprobleme von Dialysepatienten und ganz spontan - noch unter dem Eindruck seiner Schiffsreise - fragte er sich, ob man nicht auf einem Schiff dialysieren könne. Er stellte fest, dass es da keine Probleme geben dürfte und nahm die Verhandlungen mit den Reedereien auf.
Diese zeigten sich sehr aufgeschlossen und 1981 war es soweit, die erste Dialysestation lernten das Schwimmen, übrigens auf der Arkona.

Sechs Betten gab es hier tief unten im Bauch des Schiffes, auf dem C-Deck. Da musste ich mich gleich nach dem Einschiffen einfinden. Arzt, Patienten und Schwestern lernten sich kennen, die Dialysetermine wurden nochmals kurz besprochen, dann kann das Bordleben beginnen.
Das ließ keine Wünsche offen. An den Seetagen gab es Sport, Bastelkurse, Vorträge, jede Menge Freizeit zum Faulenzen auf den Decks und ein reichhaltiges kulinarisches Angebot. Frühstücksbüfett, Fünf-Gänge-Menüs zu Mittag und am Abend, Kaffeestunde und Mitternachtssnack luden ein, waren aber natürlich für den Dialysepatienten manchmal eine arge Verlockung. Andererseits war das Angebot so vielfältig, dass sich eine Diät (die nach Absprache mit dem Schiffskoch möglich gewesen wäre in aller Regel er-übrigte. Man musste halt bei der Auswahl seine persönlichen Diätregeln einhalten - nicht immer einfach, aber Dialysepatienten haben ja Disziplin gelernt. Und die eine oder andere Sünde wurde dann an der Maschine wieder „ausgebügelt“.
Auf der erwähnten Reise war aber nicht nur das Bordleben ereignisreich, mehr noch die Landgänge. Zuerst in Göteborg, dann in Kopenhagen und Stockholm sowie in Helsinki erlebte ich moderne europäische Städte. Stadtführungen am Morgen, hinterließen stets einen besonderen Eindruck und beim Spaziergang auf eigene Faust am Nachmittag, tauchte ich in die Atmosphäre der Metropolen ein.
Besonderer Höhepunkt waren zwei Tage in St. Petersburg. Hier konnte man nicht so ohne weiteres losspazieren, aber eine Tagesführung ließ den Glanz der russischen Zarenzeit auferstehen. Am zweiten Tag besuchten wir die Eremitage mit ihren überwältigenden Kunstschätzen. Beim Auslaufen spielte dann ebenso eine Blaskapelle wie schon bei der Begrüßung - Trinkgelder sollten ihren Lebensunterhalt sichern. Auf dem Rückweg Station im heimeligen Visby auf Gotland, wo man ebenso auf den Spuren deutscher Vergangenheit wandeln konnte wie in Danzig, dessen wieder aufgebaute Altstadt beeindruckte. Nach 13 Tagen endet die Reise mit einer nächtlichen Fahrt durch den Nord-Ostsee-Kanal und der Ankunft in Bremerhaven.

Die Dialysen unterwegs richteten sich voll nach den Bedürfnissen der Reisenden. Die Liegezeiten in den Metropolen waren stets frei, so dass die Patienten die Landgänge mitmachen konnten. An den Seetagen wurde morgens dialysiert, um nachmittags und abends das Programm genießen zu können (unter anderem war eine Künstlergruppe an Bord, die täglich Neues bot: Schlager und Chansons von den 20er bis zu den 70er Jahren, Balaleika-Musik, Pantomime und Klassisches). Ansonsten fand die Behandlung abends statt, so dass man vorher noch in Ruhe das Dinner genießen konnte.

Damit wieder zu Dr. Rittich und der Frage, wie er diese Dialysereisen organisiert. Die Einrichtungen (also Betten, Maschinen, Unkehrosmose und Platz fürs Material) hat er selbst investiert. Das Personal (in der Regel zwei Schwestern und ein Dialysearzt) rek-rutieren sich aus einem „handverlesenen“ Stamm aus der ganzen Bundesrepublik. Das ist Rittich sehr wichtig: „Ich habe gutes Personal und sorge dafür, dass es den Schwestern auf dem Schiff gut geht, dann geht es auch den Patienten gut“. Dieses Konzept geht voll auf.
Einschränkungen beim Kreis der Patienten sieht Dr. Rittich kaum: „Wer noch selbst einkaufen kann, der kann auch eine Schiffsreise machen“. Einzige Ausnahme: Aidspatienten werden nicht mitgenommen. Die meisten Krankenkassen übernehmen die Kosten problemlos, mit einigen hat Dr. Rittich feste Verträge, bei anderen muss vorher ein Antrag gestellt werden. Es empfiehlt sich frühzeitige Kontaktaufnahme mit Dr. Rittich und der Krankenkasse.
Die Kosten sind für Dr. Rittich, der als einziger in Deutschland und Europa Schiffsdialysen anbietet, manchmal ein Thema, wenn Kassen nur den ambulanten Satz erstatten wollen, obwohl die Dialyse auf dem Schiff eigentlich eine Klinikdialyse ist (sie ist ja auch an das Schiffshospital angegliedert). Aber die Kassen akzeptieren auch die Urlaubsbedürfnisse der Dialysepatienten und bisher, so Dr. Rittich, habe man immer eine Lösung gefunden.
Auf sieben Schiffen bietet Dr. Rittich Dialyse an: Delphin (sieben Betten), Arkona (6), Aida (6), Europa (4), Deutschland (5), Astoria (6) und Delphin Queen (6). Damit wird an Urlaubsmöglichkeiten die ganze Welt abgedeckt. Stand 2001


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