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Leben mit der Nierentransplantation

Mir geht's gut! - Sie meinen, dass sei doch nichts ungewöhnliches in meinem Alter? Na, da bin ich mir aber nicht so sicher.“

„Ah, Entschuldigung, ich habe mich ja noch gar nicht vorgestellt. Ich bin eine Altniere.“ „Sie können damit nichts anfangen? Kein Problem, ich erklär's Ihnen: Immer wenn die Ärzte mich sehen, sagen sie: ‚Da kommt ja unsere Altniere.' Sie sagen es deshalb, weil ich vor mehr als 17 Jahren ein Nierentransplantat bekommen habe, und da es eben schon so alt ist, bin ich eine Altniere.“

„Nein, nein, das ist keine künstliche Niere. Die künstliche Niere nennt man auch Dialyse

(-Gerät) und wäre etwas zu groß für eine Implantation. Außerdem wäre es etwas unpraktisch, mit angeschlossenem Netzkabel herumzulaufen. Nein, mein gutes Stück ist echt menschlich, d.h. es wurde einem Toten entnommen und mir eingesetzt.“

„Ja, das geht tatsächlich, und mehr als das: es ist nicht nur eine Lebensverlängerung wie z.B. eine künstliche Beatmung. Es hält, wie man sehen kann, sogar auf lange Zeit. Und auch das ist noch nicht alles: Mir geht es gut. Ich würde behaupten, die Unterschiede zwischen mir und einem Gesunden sind so gering, dass man es mir nicht ohne weiteres anmerken würde. Mir fehlen zwar etwas die Leistungsspitzen, über die Gesunde auf Bedarf verfügen können, aber ich kann voll arbeiten gehen, ziemlich normal essen und fühle mich vor allem gut dabei. Meine Erfahrung: Mit Dialyse können Sie überleben, mit Transplantation leben!“

„Nein, ganz wie ein Gesunder bin ich natürlich noch nicht. Ich will ehrlich sein: da sind schon so ein paar Kleinigkeiten, die eine Rolle spielen. Zum einen sind das die Medikamente. Da sind so ein paar Sachen dabei, die ich nicht als harmlos bezeichnen würde - Cortison z.B., auch wenn die Dosis inzwischen sehr niedrig ist. Und Absetzen is' nich' - gemeinerweise kann das Immunsystem des Körpers auch nach langer Zeit das Organ noch als fremd identifizieren und ggfs. dagegen vorgehen, so dass über die Medikamente eine Art „bewaffneter Friede“ hergestellt wird. Leider haben Medikamente dieses Kalibers natürlich auch ihre Nebenwirkungen. Trotzdem: das ist eindeutig das kleinere Übel, denn Dialyse ist wahrlich nicht nebenwirkungsfrei.

Zum anderen muss man als Transplantierter viel trinken - drei Liter pro Tag sollten es mindestens sein. Wer aber einmal die Trinkmengenkontrolle an der Dialyse (Faustregel: je weniger desto besser - am besten nichts) erlebt hat, den kostet diese Anweisung ein müdes Grinsen. Ich jedenfalls genieße es, mir was einzuverleiben. Auch wenn Alkohol oder Kalorienbomben wie Cola nicht verboten sind weil die Nieren eben nur die Flüssigkeit als solche darin interessiert - man sollte trotzdem an etwaige Folgen und Nebenwirkungen denken!

Ach ja, das leidige Thema Salz: Salz ist der Feind der Nieren. Bei gesunden Nieren spielt es keine große Rolle, da die erhebliche Leistungsfähigkeit des Gesamtsystems auch noch mit größeren Mengen davon klarkommt. Sind die Nieren jedoch erkrankt, ist Salz die vorrangigste Belastung für dieses Organ überhaupt. Man merkt das auch daran, dass man sehr viel mehr trinken muss als ein Gesunder, um mit einer gewissen Menge Salz klarzukommen: Das Organ Niere braucht mehr Flüssigkeit, um die gleiche Menge Salz zu entsorgen. Das Transplantat ist zwar bei mir gut, aber wiederum nicht so gut, dass dieses Thema so bedeutungslos wie bei einem Gesunden sein würde.

Desweiteren bin ich auch mit meiner Lebensführung vorsichtig: Erkältungen oder grippale Infekte durch unnötiges Nasswerden oder unzureichende Bekleidung versuche ich zu vermeiden, denn jedes solche Ereignis fährt das Immunsystem hoch, das ja eigentlich ruhig gehalten werden soll.“

„Richtig, da liegt Ihnen noch ein Thema auf der Zunge, das sollten wir noch besprechen. Oben habe ich ja bereits erwähnt, dass mein Organ von einem Toten stammt. Und da meinen halt manche Leute, da müsste man doch als Organempfänger vom schlechten Gewissen gepeinigt sein, weil da ein anderer Mensch für einen sterben musste. „So ein Quatsch“ kann ich da nur sagen. Ich habe gerüchteweise und auch aus dem Mund von irgendwelchen Organspendegegnern immer mal wieder gehört, dass das ein großes Problem sei. Ich kenne viele Organtransplantierte und kann es nicht bestätigen, denn dieses „Problem“ (sorry, ich kann's nun mal nicht als solches anerkennen), lässt sich sehr leicht auflösen: Wir wissen alle, dass Menschen sterben. Wir wissen sogar, dass es das einzige ist, was wirklich sicher im Leben ist. Wir wissen darüberhinaus, dass wir selbst einmal sterben werden (auch wenn man es irgendwie nicht so richtig glauben kann). Und wenn es dann nun passiert, dann passiert es, weil die biologische Uhr eines Menschens abgelaufen ist, ob es Schicksal oder Gottes Wille war oder was weiß ich. Aber was ich ganz bestimmt weiß, ist, dass es nicht passiert, um ein Organ hergeben zu können. Also warum sollte ich da ein schlechtes Gewissen haben, wenn ich das Organ von einem Toten bekommen habe, der nicht für mich, sondern nur für sich selbst gestorben ist? Nein, mein Gefühl gegenüber meinem Nierenspender ist eher das tiefer Dankbarkeit dafür, dass er mir so viele schöne und erfolgreiche Jahre ermöglicht hat!

Auch Ärzte „schlachten“ keine Menschen, um an Organe 'ranzukommen - wie es manche Unterbelichteten schon mal annehmen. Jeder Patiententod ist für einen Arzt leider die Bescheinigung, es nicht geschafft zu haben, während es IMMER ein Sieg für einen Arzt ist, einen Patienten „durchgebracht“ zu haben. Warum sollte also ein Arzt einen Patienten töten, um einem anderen zu helfen? Der Interessenskonflikt, den manche da zu ahnen meinen, den gibt es in freier Wildbahn nicht, denn der Arzt, der schwer gehirnverletzte Patienten betreut (Neurologe, innere Medizin), ist von seiner fachlichen Orientierung her himmelweit von dem entfernt, der Dialysepatienten betreut (Nephrologe, innere Medizin) und noch mehr von dem, der Organe verpflanzt (bei Nieren Urologe, Chirurgie).“

„Ich höre manchmal die Frage, ob es nicht die Persönlichkeit verändere, wenn man Organe fremder Menschen in sich trägt. Nein, also bei mir jedenfalls nicht - oder eigentlich doch, nur halt in anderem Sinne: An der Dialyse habe ich mich gefühlt wie ein Wrack (war ja auch kein Wunder, denn vor 17-19 Jahren konnte die Dialysetechnik und die Begleitmedizin nicht mit dem mithalten, was heute ist), aber als ich transplantiert war, hatte ich das unglaublich fantastische Gefühl, wieder ich selbst zu sein. Ich war wieder der, der ich vor dieser verdammten Erkrankung gewesen war! Ich habe nie das Gefühl gehabt, etwas fremdes, eine andere Struktur, Mentalität, Gefühlswelt oder ähnliches in mir zu haben. Insofern: auch diese Annahme erscheint mir als von jenen konstruiert, die aufgrund von Vorurteilen unbedingt ein Haar in der Transplantationsmedizin suchen wollen.“

„Und wie ich meine Zukunft sehe? - Ob die Niere für den Rest meines Lebens halten wird? Wer weiß, die Ärzte jedenfalls nicht, denn eine Garantie gibt Dir keiner. Und selbst wenn irgendwann einmal der Spaß zu Ende sein sollte, kann ich immer noch wieder an die Dialyse zurück. Eine Dialyse, die technisch besser ist und zukünftig besser sein wird als sie je in der Vergangenheit war. Außerdem kann man auch eine Transplantation wiederholen. Also wie dem auch sei, ich habe durch diese erfolgreiche Transplantation sehr wertvolle Jahre gewonnen, für die ich sehr dankbar bin. Und sollte es je damit vorbei sein, dann ist dann immer noch genug Zeit, sich darüber aufzuregen.“




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